DHV: Kein Studium mehr ohne Wissenschaftsgeschichte und Ethik

16.03.09

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) spricht sich für die Einführung der Fächer Wissenschaftsgeschichte und Ethik an allen deutschen Universitäten aus und fordert, dass beide Disziplinen in allen Studiengängen Teil des Pflichtlehrangebots werden.

"Das Fach Wissenschaftsgeschichte dient der Selbstvergewisserung der Wissenschaft und ihrer einzelnen Disziplinen und entspricht damit dem kulturellen Auftrag der Universität", erklärte der Präsident des DHV, Professor Dr. Bernhard Kempen. "Wer studiert, muss auch einen fundierten Einblick in die Entstehung und Entwicklung seiner eigenen Fachdisziplin erhalten."

Deshalb sei es bedenklich, dass das Fach Wissenschaftsgeschichte nicht an allen deutschen Universitäten vertreten sei. Seit 1996 seien zudem 17 Lehrstühle für Wissenschaftsgeschichte dem Rotstift zum Opfer gefallen. Darunter befänden sich auch Professuren an den Exzellenz-Universitäten in Göttingen und München. "An deutschen Universitäten herrscht in einem Kernfach, das das wissenschaftliche Selbstverständnis spiegelt, der Kehraus", betonte Kempen. Das gehe zu Lasten der Studierenden, die durch ein universitäres Studium nicht bloß zu funktionierenden Arbeitnehmern, sondern zu verantwortungsvollen Individuen herangebildet werden sollen.

Gerade in den globalisierten Informations- und Wissenschaftsgesellschaften fehle es an Orientierung.  "Die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise führt symptomatisch vor Augen, dass vielen Verantwortlichen der ethische und moralische Kompass abhandengekommen ist", so Kempen. Dem gelte es, bereits  im Studium vorzubeugen. "Die stärkere Verankerung des Faches Ethik an den Universitäten kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten", erklärte Kempen. "Wer keine Technokraten will, muss auch schon im Rahmen von Bachelor-Studiengängen fachspezifische Angebote unterbreiten, die es Studierenden ermöglichen, sich intensiv mit ethischen Grundfragen zu befassen."

- Der Deutsche Hochschulverband ist die bundesweite Berufsvertretung der Wissenschaftlerinnen und Wissen-schaftler in Deutschland  mit über 24.000 Mitgliedern. -


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