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Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände Der Bundespräsident hat Wegweisendes gesagt. In seiner Rede "Aufbruch in der Bildungspolitik" vom 5. November 1997 hat Bundespräsident Herzog wichtige Erkenntnisse ausgesprochen.
Herzogs "Eckpunkte" sind Prüfsteine für zukünftige bildungs politische Entscheidungen auf Landes- und Bundesebene. Jetzt kommt es darauf an,
Irrwege endlich zu verlassen und als richtig erkannte Wege tatsächlich zu beschreiten.
Roman Herzog: "Menschen sind Individuen. Sie haben unterschiedliche Begabungen. Wer das leugnet, vergißt einerseits die herausragenden Talente, die
unser Bildungssystem oft genug behindert, und andererseits die weniger Begabten, denen unser Bildungssystem jeglichen Abschluß verweigert."
Das heißt: Um der jungen Menschen und der Entfaltung ihrer Begabung willen brauchen wir ein Bildungs angebot der Vielfalt statt der integrierten Einfalt.
Diesem Gebot können nur ein gegliedertes Schul- und Hoch schulwesen sowie ein differenziertes Angebot in der Berufs- und Weiterbildung gerecht werden.
Roman Herzog: "Bildung beginnt nicht erst mit dem Abitur. Praktische und theoretische Begabungen sind gleichwertig."
Das heißt: Wir brauchen eine neue Akzentsetzung der Bildungspolitik zugunsten der beruflichen Bildung. Statt einer falsch verstandenen Akademisierung,
die immer mehr junge Menschen in eine Sackgasse führt, müssen die Hauptschule, die betriebliche und die schulische Bildung im dualen System sowie die
Einrichtungen der Weiter bildung gestärkt werden. Nur dadurch haben alle jungen Menschen die Möglichkeit des beruflichen Aufstiegs.
Roman Herzog: "Es gibt keine Bildung ohne Anstrengung. Wer die Noten aus den Schulen verbannt, schafft Kuschelecken, aber keine
Bildungseinrichtungen, die auf das nächste Jahrtausend vorbereiten."
Das heißt: Die Schulen, die Träger der beruflichen Bildung und die Hochschulen müssen ein unverkrampftes Verhältnis zur Leistung entwickeln können.
Deshalb brauchen wir Noten, schulische Abschlußprüfungen und bundesweite Leistungsvergleiche. Leistung gibt es nicht ohne Anstrengung. Ihr Motiv ist
nicht "Freude statt Arbeit", sondern "Freude an der Arbeit" wegen der mit ihr erbrachten Lebensleistung. Nur so erwerben die jungen Menschen ihre
Befähigung im künftigen Berufsleben und das Selbstbewußtsein, das im Wettbewerb einer zunehmend grenzüberschreitenden Arbeitswelt erforderlich ist.
Roman Herzog: "Es ist ein Irrglaube, ein Bildungswesen komme ohne Vermittlung von Werten aus."
Das heißt: Der junge Mensch muß sich als Persönlichkeit erfahren, der seine geistigen Kräfte nicht allein zur Sicherung der materiellen Existenz, sondern
auch in der Verantwortung für sich und den Nächsten entwickelt und einsetzt. Nur eine auf diese Weise schon in der Ausbildung vermittelte Kultur
individuellen Lebens ist Bildung. Sie schafft die notwendige Voraussetzung für Kreativität und Innovationsbereitschaft, auf die jede Gesellschaft angewiesen
ist, die sich auch als Wirtschaftsstandort behaupten will. Die Reduzierung von Bildung und Ausbildung allein auf das ökonomisch Nützliche gefährdet diesen
Standort; sie verletzt überdies die Würde des Menschen. |