DHV legt umfassende Empfehlungen zur Zukunft des Berufungsverfahrens vor

05.04.17

Kempen: "Das Prinzip der Bestenauslese und das Selbstergänzungsrecht der Fakultäten bleiben unantastbar."

Der Deutsche Hochschulverband (DHV), der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in 70 Prozent aller Berufungs- und Bleibeverhandlungen in Deutschland berät, hat dafür plädiert, bewährte und sinnvolle Standards in Berufungsverfahren beizubehalten. "Die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit der deutschen Universitäten in Forschung, Lehre und Krankenversor-gung hängt maßgeblich von der Qualität des Berufungsverfahrens ab. Wie Einzelfälle zeigen, geht es aber bisweilen zu wie auf einem Basar", erklärte der Präsident des DHV, Professor Dr. Bernhard Kempen.

Professuren müssten nach dem verfassungsrechtlich verbürgten Prinzip der Bestenauslese und damit ausschließlich nach Maßgabe von Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung besetzt werden. Mit Berufungen nähmen Fakultäten ihr Recht auf Selbstergänzung,
-steuerung und -erneuerung wahr. Hochschulleitungen oder andere an Berufungen beteiligte Akteure seien daher nicht befugt, die fachwissenschaftlich getroffene Entscheidung der Fakultät durch eine eigene zu ersetzen.

Um dem Prinzip der Bestenauslese Geltung zu verschaffen, sollten Ausschreibungen grund-sätzlich öffentlich erfolgen. Abweichungen hiervon seien auf begründungspflichtige Ausnahmen zu begrenzen. Hierzu gehörten Tenure-Track-Positionen, bei denen eine befristete Position nach positiver Evaluation in eine Lebenszeitprofessur umgewandelt werden könne, sogenannte shortlist-Verfahren, bei denen die Sichtung der in Betracht zu ziehenden Kandi-daten abgekürzt werde, und sogenannte fast-track-Verfahren, in denen die Universität auf ein attraktives externes Angebot durch eine besoldungsrechtliche Höherstufung reagieren könne.

Universitäten sollten im Zuge ihrer Autonomiebestrebungen ein ungeteiltes und alleiniges Berufungsrecht erhalten, so der DHV weiter. Die Berufungsverhandlungen selbst sollten grundsätzlich erst nach Ruferteilung geführt werden. Die an einzelnen Hochschulen anzutreffende Praxis, insbesondere ökonomisch motivierte (graue) Vorverhandlungen vor Ruferteilung mit einzelnen oder auch mehreren Bewerbern zu führen, müssten die Landesgesetzgeber unterbinden. Universitäten sollten darüber hinaus auf vertragliche Vereinbarungen verzichten, die die Rückzahlung von Besoldungselementen oder Ausstattungsmitteln forderten, wenn eine Professorin oder ein Professor vor Ablauf von drei Jahren die Universität verlasse. Schließlich müsse für die Professur die Begründung eines Beamtenverhältnisses auf Lebens-zeit der Regelfall und die "Ernennung auf Zeit" ein begründungspflichtiger Ausnahmefall bleiben. Die "Professur auf Probe" sei angesichts eines harten Auswahlverfahrens und eines Erstberufungsalters von über 42 Lebensjahren inakzeptabel.


Zurück zur Übersicht ...

Suche / Quickfinder

 

rss-feed   facebook   youtube

Pressemitteilungen per E-Mail

Wenn Sie sich die Pressemitteilungen des Deutschen Hochschulverbandes zuschicken lassen oder sich aus dem Presseverteiler austragen möchten, schreiben Sie bitte eine kurze Nachricht an:
presse(at)hochschulverband.de.

Pressesprecher

Dr. phil. Matthias Jaroch
Tel.: 0228/902 66-15
Fax: 0228/902 66-90
E-Mail: jaroch(at)hochschulverband.de

© Deutscher Hochschulverband