DHV wirbt für eine offene Debatten- und Streitkultur

05.04.17

Kempen: "Universitäten kennen keine Denk- und Sprechverbote."

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) beobachtet mit wachsender Sorge die Erosion der  Debatten- und Streitkultur an Universitäten. Verantwortung dafür trage auch ein Meinungsklima, das im Streben nach Toleranz und Offenheit "Political Correctness" fordere. ",Political Correctness’ soll das Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Sprachgebrauch und einen sensiblen Umgang mit Minderheiten schärfen. Dieses Anliegen ist berechtigt", erklärte der Präsident des DHV, Professor Dr. Bernhard Kempen. "Wenn daraus jedoch Tugendterror wird und abweichende wissenschaftliche Meinungen Gefahr laufen, als unmoralisch stigmatisiert zu werden, verkehrt sich der Anspruch von Toleranz und Offenheit in das Gegenteil: Jede konstruktive Auseinandersetzung wird bereits im Keim erstickt. Statt Aufbruch und Neugier führt das zu Feigheit und Anbiederung."

Von Zuständen wie in den USA, wo studentische Aktivisten vermehrt die Deutungshoheit für vermeintlich politisch korrekte Lehrinhalte reklamierten und vor "verstörenden" Gegenständen des Studiums Schutz verlangten, sei Deutschland einstweilen noch entfernt. Erste alarmierende Anzeichen gebe es jedoch auch hierzulande, etwa wenn Wissenschaftler durch Proteste daran gehindert würden, in Universitäten aufzutreten und ihre wissenschaftlichen Thesen vorzutragen, weil sie der selbst definierten "Political Correctness" zuwiderliefen und schon deshalb nicht ertragen werden könnten.

"Die Universität als Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden muss ein Ort des freien und offenen Meinungsaustausches bleiben", betonte Kempen. "Sie muss dafür sorgen, dass jedermann - unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft, einer Partei, eines Verbandes oder Vereins - seine Forschungsergebnisse, Thesen, Argumente und Ansichten ohne Angst zur Diskussion stellen kann." Das Grundgesetz binde die Freiheit von Forschung und Lehre allein an die Treue zur Verfassung. Darüber hinausgehende Denk- oder Sprechverbote schließe dies ausdrücklich aus. Geistige oder ideologische Komfortzonen, in denen Studierende vor unbequemen Inhalten behütet werden, dürfe es in der Universität nicht geben. "Kritisches Denken, das an der Universität gelehrt und eingeübt wird, setzt die Fähigkeit zur Selbstkritik voraus: Wer eine Universität betritt, muss bereit sein, mit Vorstellungen konfrontiert zu werden, die dem persönlichen Weltbild zuwiderlaufen, und in der Lage sein, sich mit ihnen sachlich auseinanderzusetzen", so Kempen. Unkonventionelle Ansichten, die jenseits des Mainstreams lägen, hätten in der Gesellschaft nirgendwo einen besseren Platz als in der Universität. "Konkurrierende Meinungen müssen an der Universität respektiert und ausgehalten werden", unterstrich der DHV-Präsident. "Differenzen, die zu Andersdenkenden bestehen, sind im argumentativen Streit auszutragen. Die Antwort auf die einseitige, pointierte, vielleicht auch verzerrende Rede ist nicht das Ende der Debatte, sondern die angemessene Gegenrede."
Kempen rief alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dazu auf, für eine offene und lebendige Debatten- und Streitkultur an den Universitäten einzutreten. An Staat und Hochschulleitungen appellierte er, sich bei Angriffen schützend vor die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu stellen.


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