Gute wissenschaftliche Praxis bei wissenschaftlichen Qualifikationsarbeiten

09.07.12

AFT, Fakultätentage und DHV legen gemeinsames Positionspapier vor

Der Allgemeine Fakultätentag (AFT), die Fakultätentage und der Deutsche Hochschulverband (DHV) haben unter Einbeziehung der fachspezifischen Besonderheiten und Belange gemeinsame, für alle Wissenschaftsdisziplinen geltende Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis für das Verfassen wissenschaftlicher Qualifikationsarbeiten (Bachelorarbeit, Masterarbeit, Dissertation und Habilitationsschrift) formuliert. Diese Grundsätze seien als Handreichungen für Prüfer und Prüflinge, Wissenschaftler und Studierende konzipiert, da die Wissenschaft angesichts von Plagiats- und Fälschungsaffären der Selbstvergewisserung bedürfe. Für die Definition und Einhaltung wissenschaftlicher Standards, so die unterzeichnenden Institutionen, trage nicht der Staat, sondern die Gemeinschaft der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Verantwortung. Insbesondere den Professoren als Betreuern und Prüfern obliege es, allgemeine Regeln guter wissenschaftlicher Praxis zu formulieren und in ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit in Forschung und Lehre anzuwenden. 

AFT, DHV und Fakultätentage betonen, dass Originalität und Eigenständigkeit die wichtigsten Qualitätskriterien jeder wissenschaftlichen Arbeit sind. Die Güte einer wissenschaftlichen Qualifikationsarbeit bemesse sich - insbesondere in den Geistes- und Sozialwissenschaften - aber auch nach der Fähigkeit des Autors, fremden Gedankengängen und Inhalten aus wissenschaftlichen Vorarbeiten vor dem Hintergrund eigener Erkenntnis einen eigenen sprachlichen Ausdruck zu verleihen. Insbesondere in den Natur- und Ingenieurwissenschaften beweise sich Originalität und Eigenständigkeit im experimentellen Design, der kritischen Analyse und Wertung erhobener Daten und der Fähigkeit, in differenzierender Weise erhobene Ergebnisse in den wissenschaftlichen Kontext einzubinden.

Alle Qualifikationsarbeiten erforderten grundsätzlich ein korrektes und sorgfältiges Recherchieren und Zitieren bzw. Verweisen. Durchgängig und unmissverständlich müsse für den Leser erkennbar sein, was an fremdem geistigen Eigentum wörtlich übernommen oder gedanklich entlehnt wurde. Lediglich das tradierte Allgemeinwissen einer Fachdisziplin müsse nicht nachgewiesen werden. 

Das Plagiat, also die wörtliche und gedankliche Übernahme fremden geistigen Eigentums ohne entsprechende Kenntlichmachung, aber auch die Manipulation von Daten stellten einen Verstoß gegen die Regeln korrekten wissenschaftlichen Arbeitens dar und seien im Regelfall prüfungsrelevante Täuschungsversuche. Das "Selbstplagiat", die Übernahme eigener Arbeiten und Texte, laufe  den Regeln guter wissenschaftlicher Praxis zuwider, wenn diese Übernahme in einer Qualifikationsarbeit nicht belegt werde. 
Ein schwerwiegender Verstoß gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis sei das Zusammenwirken des Verfassers mit einem Dritten, der Texte oder Textteile zu einer Qualifikationsarbeit beisteuert, die der Autor mit dem Einverständnis des Ghostwriters als eigene Leistung ausgibt.
 
Bei gemeinschaftlichen Veröffentlichungen müsse der eigene Anteil des jeweiligen Autors deutlich gemacht werden. Niemand dürfe als Autor genannt werden, der selbst keinen ins Gewicht fallenden Beitrag zu einer Arbeit geleistet habe. Ehrenautorschaften oder Autorschaften kraft einer hierarchisch übergeordneten Position ohne eigenen substantiellen Beitrag seien grundsätzlich wissenschaftliches Fehlverhalten.
 
AFT, Fakultätentage und DHV heben hervor, dass für die Einhaltung der Grundregeln wissenschaftlichen Arbeitens in erster Linie der Verfasser der Qualifikationsarbeit verantwortlich ist. Aber auch Betreuer und Prüfer stünden persönlich in der Pflicht. Wie der Betreuer rechtzeitig die entsprechenden Regeln vermitteln müsse, so müsse der Prüfer jedem Zweifel an ihrer Einhaltung konsequent nachgehen.

Das gemeinsames Positionspapier des Allgemeinen Fakultätentags (AFT), der 
Fakultätentage und des Deutschen Hochschulverbands (DHV) vom 9. Juli 
2012  "Gute wissenschaftliche Praxis für das Verfassen wissenschaftlicher Qualifikationsarbeiten" finden Sie im Anhang als pdf-Dokument. 


Dateien zum Download:

Gute_wiss._Praxis_Fakultaetentage_01.pdf48 K


Links:

www.philosophischerfakultaetentag.de/resolutionen/Osnabr%C3%BCcker%20Erkl%C3%A4rung.pdf

 

 


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