DHV will Exzellenzinitiative neu ausrichten

25.01.16

Kempen: "Nicht Institutionen, sondern Wissenschaftler müssen im Mittelpunkt stehen."

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) hat sich für eine Neuausrichtung der Exzellenzinitiative ausgesprochen. Den Kern eines künftigen Förderprogramms sollen modifizierte Exzellenzcluster und die bewährte Graduiertenförderung bilden, die Förderlinie Zukunftskonzepte soll hingegen aufgegeben werden. "Eine Universität war und ist nie als ganze exzellent, vielmehr sind es immer einzelne Köpfe und Wissenschaftler in den Fachbereichen und Fakultäten", erklärte der Präsident des DHV, Professor Dr. Bernhard Kempen. Deshalb müsse bei der angestrebten Fortsetzung des Programms stärker als bisher die Exzellenz von Wissenschaftlerinnen und WissenschaftlernDer besseren Lesbarkeit halber gelten alle maskulinen Personen- und Funktionsbezeichnungen auf unseren Seiten für Frauen und Männer in gleicher Weise. Es gilt: Pronuntiatio sermonis in sexu masculino ad utrumque sexum plerumque porrigitur (Corpus Iuris Civilis Dig. 50,16,195, veröffentlicht 533 n. Chr.), übersetzt: Die Redeform im männlichen Geschlecht erstreckt sich für gewöhnlich auf beide Geschlechter., universitären Instituten und eventuell noch Fakultäten, aber nicht die von Universitäten in ihrer Gesamtheit im Mittelpunkt stehen. Allenfalls denkbar sei, dass die Politik Universitäten, deren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in überproportionaler Weise an Exzellenzclustern beteiligt seien, die bereits eingeführte Graduierung "Exzellenzuniversität" zuspreche. "Bislang geschieht dies durch die Prämierung von Zukunftsprojekten, bei denen statt wissenschaftlich erbrachter Leistungen Antragsexzellenz honoriert wird", hob Kempen hervor.

Der DHV-Präsident plädierte dafür, mehrere Professoren oder universitäre Institute - gegebenenfalls auch ohne Beteiligung von außeruniversitären Forschungseinrichtungen - in einen förderfähigen Zusammenhang zu stellen. Kleinste Einheiten mit wenigen Wissenschaftlern, z.B. in den sogenannten "Kleinen Fächern", müssten ebenso berücksichtigungsfähig sein und dürften dem Clustergedanken nicht geopfert werden. "Der Gefahr, die Interdisziplinarität gegenüber der Disziplinarität zu verabsolutieren, muss entgegengesteuert werden", betonte der DHV-Präsident. 

Kempen forderte Bund und Länder dazu auf, die Exzellenzinitiative weiterhin ausschließlich auf die Spitzenforschung zu konzentrieren. Eine Ausweitung der Förderlinien auf andere Leistungsbereiche wie die Lehre oder den Wissenstransfer, eine Öffnung des Wettbewerbs für Fachhochschulen und forschende Industrieunternehmen seien vor diesem Hintergrund weder hilfreich noch zielführend. Ebenso dürfe die Exzellenzinitiative nicht mit den notwendigen und begrüßenswerten Bestrebungen vermengt werden, mit denen dem wissenschaftlichen Nachwuchs bessere Perspektiven, z.B. durch Erhöhung der Professorenstellen und durch Tenure-Track-Programme, verschafft werden sollten. "Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist eine flankierende Aufgabe des Bundes und vor allem der Länder, die für alle Fächer gleichermaßen wichtig und der Grundausstattung der Universitäten zuzurechnen ist", so Kempen. 

Auch ergebe die Exzellenzinitiative nur dann Sinn, wenn sie verstetigt und zur flexiblen Dauerförderung werde. Um gegenüber internationalen Spitzenuniversitäten konkurrenzfähig bleiben zu können, sei eine weitere Steigerung der Mittel für die Exzellenzinitiative wünschenswert. Damit sich die Potenziale des Förderprogramms längerfristig und besser entfalten könnten, sollten die Förderzeiträume von gegenwärtig fünf auf zehn, mindestens aber auf sieben Jahre angehoben werden, ergänzte der DHV-Präsident abschließend.

Zur DHV-Resolution "Zur Zukunft der Exzellenzinitiative"


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