Kempen: "Akkreditierung gehört in die Hände der Universitäten"

18.03.16

DHV zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) hat die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, die Regelungen zur Akkreditierung von Studiengängen in Nordrhein-Westfalen als grundgesetzwidrig zurückzuweisen, begrüßt. Der Landesgesetzgeber ist nunmehr aufgerufen, verfassungskonforme Regelungen mit Wirkung spätestens zum 1. Januar 2018 zu treffen.

"Das Urteil bestätigt die Position des DHV und weist über Nordrhein-Westfalen hinaus", erklärte DHV-Präsident Professor Dr. Bernhard Kempen. "Auch in anderen Ländern stehen Akkreditierungen auf rechtlich wackligen Füßen." Die privatrechtlich organisierten Akkreditierungsagenturen nähmen mit der Genehmigung von Studiengängen eine hoheitliche Aufgabe wahr und bedürften daher einer besonderen rechtlichen Legitimation, die bislang fehle. "Diese Sicht teilt das Bundesverfassungsgericht", so Kempen.

Der DHV fordert Bund und Länder auf, daraus die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen und die bisherige Akkreditierungspraxis grundsätzlich zu überdenken. Universitäten könnten die Qualität ihrer Studiengänge sehr gut selbst organisieren. "Qualitätssicherung von Studiengängen ist unverzichtbar. Aber das derzeitige Akkreditierungssystem ist dafür ungeeignet. Es ist bürokratisch, ineffizient und verursacht mit mindestens 15.000 Euro pro einzelnem Studiengang viel zu hohe Kosten", betonte Kempen. Ein neues Betätigungsfeld für Akkreditierungsagenturen könnte darin bestehen, Hochschulen bei der Implementierung und Weiterentwicklung von eigenen Qualitätsmanagementsystemen zu beraten. "Die Qualitätssicherung gehört in die Hände der Universitäten", erklärte Kempen abschließend. "Wettbewerb und Hochschulautonomie bedeuten, dass Universitäten selbst entscheiden müssen, ob sie die Leistungen von Agenturen in Anspruch nehmen wollen, um sich gegenüber anderen Hochschulen zu profilieren."


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