Nachwuchsprogramm: DHV verlangt deutliche Nachbesserungen

06.04.16

Kempen: "Verlässliche Karriereperspektiven erfordern mehr Professuren"

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) hat Bund und Länder dazu aufgefordert, der Empfehlung des Wissenschaftsrates vom Juli 2013 zu folgen und zusätzliche 7.500 Universitätsprofessuren bis zum Jahr 2025 einzurichten. "Das bisherige geplante Bund-Länder-Programm für den wissenschaftlichen Nachwuchs ist unzureichend", erklärte DHV-Präsident Professor Dr. Bernhard Kempen. Das Programm sieht vor, mit einer Milliarde Euro von 2017 bis 2027 mehr als 1.000 Stellen für Junior- und Assistenzprofessuren zu schaffen, die hochqualifizierten Wissenschaftlern über den "Tenure Track" den Weg in eine Lebenszeitprofessur ermöglichen sollen. 

"Der in Aussicht genommene Aufwuchs entspricht damit gerade einmal einem Zugewinn gegenüber dem bisherigen Bestand an Lebenszeitprofessuren von knapp vier Prozent", betonte Kempen. Da zur Abfederung des anhaltenden Studierendenzuwachses vor allem in befristete Qualifikationsstellen investiert worden sei, sei es nunmehr richtig, die Anstrengungen auf die Schaffung vom mehr Professuren zu konzentrieren. "Das Bund-Länder-Programm kann aber nur ein erster Anfang für eine Personaloffensive sein, die viel beherzter angegangen werden muss, und zwar jetzt und bald und nicht erst 2027", so der DHV-Präsident. 

An Universitäten und ihnen gleichgestellten Hochschulen stünden derzeit den rund 24.500 Lebenszeitprofessuren knapp 1,8 Millionen Studierende gegenüber. Das vom DHV jährlich aktualisierte Universitätsbarometer weise nach, dass sich das zahlenmäßige Verhältnis von Studierenden pro Universitätsprofessor kontinuierlich verschlechtere. Es liegt derzeit im Durchschnitt bei 66 Studierenden pro Hochschullehrer. 2010 waren es noch 60 Studierende.

Zugleich verschlechtere sich der Stellenmarkt für Lebenszeitprofessuren fortlaufend: Zu den insgesamt ca. 900 Nachwuchsgruppenleitern und rund 1.600 Juniorprofessoren kämen jährlich rund 1.600 neue Habilitierte auf den ohnehin schon überquellenden Berufungsmarkt und reihten sich in die Zahl derjenigen ein, die auf der Suche nach einer qualifizierten Dauerbeschäftigung in der Wissenschaft seien. Mehr als bedauerlich sei daher, dass sich die Länder bei den Verhandlungen um das Nachwuchsprogramm bislang weigerten, eine Verstetigung zusätzlicher Professuren über den gegenwärtigen Bestand zuzusichern. "Ein Nachwuchspakt, der zu Lasten der Bestandsprofessuren geht, verdient seinen Namen nicht: Die überwiegende Mehrheit von qualifizierten Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern hätte dann noch weniger Stellen außerhalb des "Tenure Track"-Programms", erläuterte Kempen.

Der DHV-Präsident verwies darauf, dass durch staatlich getriebene Programme wie die Exzellenzinitiative, den Hochschulpakt und den Pakt für Forschung und Innovation in den letzten zehn Jahren die Zahl der inzwischen zu 90 Prozent befristet beschäftigten wissenschaftlichen Mitarbeiter um 50 Prozent gewachsen sei. "Bund und Länder müssen sich ihrer Verantwortung für den Nachwuchs stellen, dessen Hoffnungen auf eine Karriere in der Wissenschaft sie bislang lediglich genährt, nicht jedoch gestillt haben", forderte Kempen. "Sie müssen endlich gemeinsam substantielle Finanzmittel zur Schaffung zusätzlicher Professoren bereitstellen.  Ohne ein solches Ventil sitzt der wissenschaftliche Nachwuchs in der vom Staat selbst aufgestellten Falle."


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