AG Med will den "Dr. med." stärken

30.05.16

Hochschulmediziner zur Zukunft der Medizinpromotion

Die Arbeitsgemeinschaft Hochschulmedizin (AG Med) will die Qualität medizinischer Promotionen weiter verbessern. Die langjährigen Bemühungen vieler Medizinischer Fakultäten in diesem Bereich seien zu intensivieren. Medizinische Dissertationen sollten nur für solche Themen vergeben werden, die einen substantiellen Beitrag zum wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt erwarten ließen. Zudem sollte eine Publikation der Ergebnisse grundsätzliche Voraussetzung sein. 

Nach den Vorstellungen der AG Med muss die Promotion in der Medizin stärker als in der Vergangenheit eine klar definierte forschungsorientierte Ausbildungsphase sein. Eine sachgerechte Strukturierung der Promotionsphase setze eine zielgerichtete Bewerberauswahl und transparente Verfahren der Qualitätssicherung voraus. Durch Stipendien könnten zusätzliche Forschungszeiten innerhalb des Studiums ermöglicht werden. Eine mögliche Verlängerung des Medizinstudiums durch eine Promotion dürfe aber nicht zu einer reduzierten Finanzierung der Fakultäten führen. 

Wichtig sei, dass der wissenschaftliche Nachwuchs auch im Rahmen der Weiterbildung hinreichende Freiräume für eine eigenständige Forschung erhalte und Forschungszeiten auf die Facharztweiterbildung angerechnet werden könnten. Allerdings sei anzuerkennen, dass gute Forschung nicht einfach nur neben der Weiterbildung realisiert werden könne und auch Forschungsabschnitte mit ausschließlicher Forschungstätigkeit erforderlich seien. 

"Durch den Wettbewerb um die besten Promovenden zwischen Graduiertenkollegs und universitären Doktorandenprogrammen sowie alternativen Wegen zur Promotion wird die Qualität der medizinischen Promotion gefördert", betont die AG Med weiter. Der Beginn der Promotion könne bereits im Studium liegen. Daneben sei auch eine Promotion nach dem Studium stärker als bisher zu ermöglichen. 

Den "Dr. med." als Regelabschluss der Medizinischen Fakultäten will die AG Med für Promotionen beibehalten. Eine Differenzierung zwischen wissenschaftsferneren und wissenschaftsaffineren Doktorgraden an Medizinischen Fakultäten dürfe es nicht geben, weil dies zu einer schleichenden "Erosion der Medizinpromotion" führe. 

Damit Hochschullehrer die Betreuung von Doktoranden verantwortungsvoll wahrnehmen könnten, sei das sich kontinuierlich verschlechternde zahlenmäßige Verhältnis von Studierenden pro Professor nicht länger hinnehmbar. Bundesweit habe sich die Relation hochschulübergreifend seit 2005 im Durchschnitt von 54 auf 66 Studierende pro Professur verschlechtert. 

Um forschungsstarke medizinische Promotionen zu fördern, schlägt die Arbeitsgemeinschaft Hochschulmedizin dem European Research Council vor, zumindest mit der Promotionsnote "summa cum laude" benotete Promovenden wieder als originär antragsberechtigt im Rahmen der Starting Grants einzustufen. Deutsche Mediziner müssen derzeit weitere Forschungsleistungen, beispielsweise durch Publikationen oder Drittmitteleinwerbungen, nachweisen. Der Abschluss "Dr. med." wird gegenwärtig nicht als Ph.D.-Äquivalent anerkannt.

Den Wortlaut der Stellungnahme finden Sie hier:

 

In der Arbeitsgemeinschaft Hochschulmedizin sind folgende Institutionen vereint:

  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
    Präsident: Universitätsprofessor Dr. Rolf Kreienberg
  • Bundesärztekammer
    Präsident: Professor Dr. Frank Ulrich Montgomery
  • Bundesvereinigung der Landeskonferenzen ärztlicher und zahnärztlicher Leiter von Kliniken, Instituten und Abteilungen der Universitäten und Hochschulen Deutschlands
    Vorsitzender: Universitätsprofessor Dr. Christian Ohrloff
  • Deutsche Gesellschaft für Medizinrecht
    Präsident: Dr. Albrecht Wienke
  • Deutscher Hochschulverband:
    Präsident: Universitätsprofessor Dr. Bernhard Kempen
  • Marburger Bund
    Vorsitzender: Rudolf Henke
  • MFT Medizinischer Fakultätentag
    Präsident: Universitätsprofessor Dr. Heyo Kroemer

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