DHV verzichtet aus Protest auf Ministerranking

09.12.16

Kempen: "Abstimmung wegen der Akkreditierungsentscheidung der KMK unzumutbar"

Aus Protest gegen die Akkreditierungsentscheidung der Kultusministerkonferenz (KMK) vom 8. Dezember 2016 lässt der Deutsche Hochschulverband (DHV) in diesem Jahr erstmals die Abstimmung zum/zur "Minister/-in des Jahres" ausfallen. Seit 2009 ruft die Berufsvertretung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland seine Mitglieder einmal im Jahr dazu auf, die Führungsqualitäten ihres jeweiligen Landeswissenschaftsministers und der Bundesministerin für Bildung und Forschung auf der Basis eines umfassenden Eigenschaftskatalogs zu bewerten, der gemeinsam mit dem Zentrum für Evaluation und Methoden der Universität Bonn entwickelt wurde.

"Eine Abstimmung ist den Verbandsmitgliedern nicht zumutbar", erläuterte DHV-Präsident Professor Dr. Bernhard Kempen die Entscheidung. "Das ,Weiter so‘ in der Akkreditierungspolitik, auf das sich die Kultusministerkonferenz nunmehr verständigt hat, spricht für sich und zeigt, wie wenig die Wissenschaftsminister eine gute Politik im Sinne der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler betreiben."

Nachdem das Bundesverfassungsgericht im Februar dieses Jahres die Qualitätssicherung von Studium und Lehre durch externe Akkreditierungsagenturen als verfassungswidrig beanstandet habe, hätten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler leider vergeblich auf grundlegende Reformen gesetzt. "Statt den Akkreditierungszirkus zu beenden, hat die KMK das bürokratische, ineffiziente und kostenträchtige System perpetuiert", so Kempen. Mit der nunmehr vorgesehenen Übertragung der Akkreditierungsentscheidung von den Akkreditierungsagenturen auf den Akkreditierungsrat drohe die Qualitätssicherung sogar "verschlimmbessert" zu werden, betonte der DHV-Präsident. "Aus einem bislang einstufigen Verfahren wird ein zweistufiges Verfahren, in dem der Akkreditierungsrat zur neuen Superbehörde aufsteigt. Mehr Bürokratie und höhere Kosten werden die Folge sein." Die Erweiterung des Akkreditierungsrates um acht Professoren aus allen Fächergruppen, deren Stimmen bei fachlichinhaltlichen Entscheidungen doppelt zählen sollen, sei zudem nicht mehr als "ein Feigenblatt", weil auch dadurch die Qualitätsbeurteilung von derzeit mehr als 18.000 Studienangeboten nicht gewährleistet werden könne.

"Der KMK-Beschluss ist eine herbe Enttäuschung. Er ist ein Schlag ins Gesicht für diejenigen, die auf einen Befreiungsschlag gehofft haben", so Kempen abschließend. "Die Kultusminister begehen einen schweren Fehler. Statt den Akkreditierungsirrsinn in Basta-Manier festzuschreiben, sollten sie ihren Beschluss revidieren. Anstelle einer externen Begutachtung durch den Akkreditierungsrat müssen sie endlich den Universitäten die Verantwortung für die Qualitätssicherung ihrer Studiengänge übertragen."


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