DHV fordert Absenkung des Lehrdeputats an Universitäten

10.04.19

Kempen: „Zu viel Lehre schadet der Lehrqualität“

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) hat die Länder dazu aufgefordert, das derzeitige Regel-Lehrdeputat für Universitätsprofessorinnen und –professoren mittelfristig von neun auf acht und längerfristig auf sieben Semesterwochenstunden zu reduzieren. „Die Aufgaben in Forschung, Lehre, Selbstverwaltung, Krankenversorgung und Prüfung haben für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an deutschen Universtäten in den letzten Jahren spürbar zugenommen“, erläuterte DHV-Präsident Professor Dr. Bernhard Kempen den Vorstoß. Erheblich gestiegen sei insbesondere die Verwaltungstätigkeit, worunter auch die Einwerbung von Drittmitteln sowie die Notwendigkeit zählten, sich permanent um ausgeschriebene Projektmittel zu bewerben. Auch die Prüfungsdichte sei mit dem modularisierten Bachelor-/Master-System deutlich gewachsen. „Gute wissenschaftliche Lehre braucht Vor- und Nach-bereitung. Das Idealbild, wonach Forschung und Lehre mit zeitlich gleichen Anteilen gleich-berechtigt nebeneinander stehen, ist von der Wirklichkeit längst überholt“, ergänzte der DHV-Präsident. Insgesamt nähmen Lehre, Prüfung, Selbstverwaltung und allgemeine Verwaltungstätigkeiten bei den meisten Wissenschaftlerinnen und WissenschaftlernDer besseren Lesbarkeit halber gelten alle maskulinen Personen- und Funktionsbezeichnungen auf unseren Seiten für Frauen und Männer in gleicher Weise. Es gilt: Pronuntiatio sermonis in sexu masculino ad utrumque sexum plerumque porrigitur (Corpus Iuris Civilis Dig. 50,16,195, veröffentlicht 533 n. Chr.), übersetzt: Die Redeform im männlichen Geschlecht erstreckt sich für gewöhnlich auf beide Geschlechter. mehr als drei Viertel ihrer Zeit ein.

Ein im internationalen Vergleich extrem hohes Lehrdeputat sei vor diesem Hintergrund kein Beitrag zur Steigerung der Lehrqualität, fuhr Kempen fort. „Das Gegenteil ist der Fall“, so der DHV-Präsident weiter. „Wer zu viel lehrt, steht angesichts konkurrierender Dienstaufgaben und der ausschlaggebenden Bedeutung von Publikationen und Drittmitteln in der ständigen Versuchung, bei Vor- und Nachbereitung universitärer Lehre zugunsten der Forschung Zeit umzuwidmen.“

Kempen räumte ein, dass eine dringend erforderliche Lehrdeputatsreduktion die Situation in zulassungsbeschränkten Studiengängen verschärfen könnte. „Weniger Lehrkapazität heißt weniger Studienplätze. Dieses Ergebnis lässt sich aber abmildern und auffangen, wenn zum einen das Lehrdeputat flexibilisiert wird und Lehraufgaben neu verteilt werden und zum anderen die von allen Wissenschaftsinstitutionen seit langem geforderte Erhöhung der Kapa-zität durch mehr Professuren endlich angegangen würde“, so der DHV-Präsident.

Neben der Absenkung des Regel-Lehrdeputats für Universitätsprofessorinnen und
-professoren will der DHV die Lehrverpflichtung von Juniorprofessorinnen und Juniorprofessoren auf vier Semesterwochenstunden beschränken. Wie im Fachhochschulbereich sollte die Betreuung von Studienabschlussarbeiten ihrem tatsächlichen Umfang entsprechend auf das Lehrdeputat angerechnet werden. Lehrdeputatsreduktionen seien darüber hinaus bei der Wahrnehmung exponierter Aufgaben in Forschung, Lehre, Prüfung, Weiterbildung und Selbstverwaltung sinnvoll.


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