Mehr Nachhaltigkeit in der Lehrerbildung!

28.10.19

Kempen: „Lehramtsstudium muss sich nach Bedarf und nicht nach Kassenlage richten.“

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) plädiert für mehr Nachhaltigkeit in der Lehrerbil-dung. Berechnungen zufolge dürften in den kommenden Jahren zehntausende Lehrerstellen Leerstellen bleiben. Jüngst war etwa die Bertelsmann Stiftung zu dem Ergebnis gekommen, dass bis 2025 allein an den Grundschulen mindestens 26.300 Lehrerinnen und Lehrer fehlen könnten.

Angesichts des generell herrschenden und sich weiter abzeichnenden Lehrermangels erhöht sich dem DHV zufolge der politische Druck auf die Universitäten, innerhalb kürzester Zeit möglichst viele Lehramtsstudierende zum Abschluss zu führen. „Die personellen und räumlichen Kapazitäten für die Lehrerbildung sind vielerorts unzureichend. Das Lehramtsstudium an Universitäten ist zeit- und ressourcenintensiv“, betonte der Präsident des DHV, Professor Bernhard Kempen.

Wesentliche Schuld an der heutigen Misere trage die Kultusministerkonferenz (KMK). Sie hat laut Kempen dabei versagt, „verlässliche Prognosen zum Lehrerbedarf zu erstellen“. Die daraus resultierende Fehlplanung habe zur Folge, dass mittelfristig vermehrt Quereinsteiger, Pensionäre oder Akademiker ohne pädagogische Ausbildung den Lehrermangel kompensieren müssten. Damit dies kein Dauerzustand werde, müssten die Länder endlich eine vorausschauende Politik betreiben.

Eine Senkung der Studienanforderungen oder Entschlackung der Studieninhalte im Lehramt lehnte der DHV-Präsident ab. „Abstriche bei der fachlichen und didaktischen Qualität nutzen weder den angehenden Lehrerinnen und Lehrern noch künftigen Schülergenerationen“, betonte Kempen. Ebenso wenig zielführend sei es, das Lehramtsstudium an Altersstufen statt Schulformen auszurichten: „Ein differenziertes Schulsystem setzt unterschiedliche Lehrämter voraus, die individuellen Begabungen besser gerecht werden können. Der Einheitslehrer ist keine Lösung, sondern ein Beitrag, den Lehrerberuf unattraktiv zu gestalten.“

Kempen begrüßte, dass die Bereitschaft in den Ländern zum Ausbau von Lehramts-Studienplätzen wachse. „Mit der Lehrerbildung nach Kassenlage muss Schluss sein“, so der DHV-Präsident abschließend. „Die Lehrerbildung muss sich am Bedarf orientieren. Dies setzt auch eine angemessene personelle und räumliche Ausstattung der Universitäten voraus. Nur so können sie eine qualitativ hochwertige Lehrerbildung sicherstellen.“


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