Sanierungsstau schadet dem Wissenschaftsstandort

Koch: „Schließung des Hauptgebäudes der TU Berlin ist die Quittung für jahrelange politische Ignoranz“


Die am vergangenen Freitag erfolgte Notschließung des Hauptgebäudes der TU Berlin markiert einen neuen, erschütternden Tiefpunkt in der Berliner Wissenschaftspolitik. Die aktuelle Reaktion der Wissenschaftsverwaltung auf die massiven baulichen Mängel ist nach Ansicht des Deutschen Hochschulverbands (DHV) bezeichnend für den politischen Stil des derzeitigen Senats. Anstatt die politische Verantwortung für einen über Jahrzehnte angewachsenen Investitionsstau von mehr als acht Milliarden Euro zu übernehmen, versucht Senatorin Ina Czyborra, die Last für das Desaster einseitig der Universitätsleitung zuzuschieben. „Das ist ein peinliches Schauspiel, das vor allem an der bitteren Realität vor Ort vorbeigeht und keinem hilft. Wer den Universitäten die Handlungsfähigkeit abspricht, während sie das Dach über dem Kopf verlieren, hat den Ernst der Lage verkannt“, erklärte DHV-Präsident Lambert T. Koch dazu.

Das politische Versagen zeige sich zudem an der geplanten Hochschulbaugesellschaft, die sich statt des versprochenen Allheilmittels als bürokratisches Luftschloss zu entpuppen drohe. Da umfassende Sanierungen nach den derzeitigen Planungen wohl erst ab Mitte der 2030er-Jahre greifen könnten, bleibe das Projekt eine unzureichende Antwort auf die gegenwärtige Krise. 

„Als Teil des Berliner Exzellenzverbundes ist die TU Berlin ein besonders bedrückendes Beispiel für die Folgen eines Sanierungsstaus, der nicht nur in Berlin greifbar ist“, betonte Koch. „Vielerorts werden Hochschulen auf Verschleiß gefahren, so dass die Probleme durch weiteres Zuwarten weiter wachsen.“ Da sich der bundesweite Sanierungsbedarf an Hochschulen Schätzungen zufolge auf mehr als 140 Milliarden Euro belaufe, sei entschlossenes Handeln nun zwingend erforderlich. Es sei höchste Zeit, „dass Bund und Länder den Erhalt der wissenschaftlichen Infrastruktur als prioritäre Aufgabe für Wohlstand und Innovation unseres Landes wahrnehmen“, so Koch weiter. „Sonst machen bald auch andernorts weitere Hochschulgebäude dicht.“